Dario Cecchini
Der Gott der Fleisches-Lust
Es gibt nicht wenige die sagen, Dario Cecchini sei der berühmteste Metzger der Welt. Wer Cecchini bei der Arbeit zusieht, wie er mit einem Kennerblick von der Decke abhängendes Fleisch betrachtet, gar bestaunt, wie er die Oberfläche einer Lende streichelt, die Farbe „fühlt“, mit der Nase ganz nah herangeht, schnüffelt und begutachtet, merkt sofort - hier ist ein Fanatiker seiner Zunft am Werk.
Unverkennbares Markenzeichen - sein fast wahnsinniges Grinsen, sein Glück im Blick, sein Zupacken ganzer Rinderrippen, als ob es die eigenen Babys wären, die er darüber hinaus noch mit einem dicken Kuss auf das rohe Fleisch beglückt.
Die Metzgerei Cecchini in Panzano in der Chianti-Landschaft, knapp außerhalb von Florenz, ist eine kulinarische Kultstätte. Aus der ganzen Welt kommen Anbeter seiner Fleisches-Lust und genießen in den zwei Restaurants, eines im Haus der Metzgerei, das andere, die Solociccia „Nur Fleisch“, gleich gegenüber, die hohe Kunst der sinnenfreudigen Begierde. Scharen von Menschen aller Kulturen sind und werden hier gleich - schlicht dem Genuss verfallen, solch obsessives Odeur schmecken zu dürfen.
Dario Cecchini entstammt einer alten Metzgersfamilie. Auf dem Grundstück des im Krieg zerstörten Familiengeschäfts baut er seine Metzgerei im antiken Stil neu. Neben famosen Fähigkeiten als extrem kreativer Metzger und exzellenter Koch, glänzt er zudem als extrovertierter Entertainer, der sich dabei auch um die Werbung für Panzano und den traditionellen Speisen der Region verdient macht. Sein Geschäft ist sowohl eine Touristenattraktion, als auch ein Ort, an dem ungewöhnliche Fleischkreationen, roh oder zubereitet, zu kaufen sind.
Panzano liegt verkehrsgünstig an der Weinstraße durch die Chianti-Region. Das allein ist schon eine Sensation für sich. In der Marcelleria angekommen, erlebt der staunende Gast sodann Unglaubliches. Erst führt der Weg durch den Verkaufsraum, vorbei an saftigen Fleischbergen, zu einer kleinen, engen Treppe, die in den zweiten Stock führt. Das Ziel ist ein unerwartet offener Raum mit großen, langen Tischen, an denen, bunt gemixt im Vielvölkergemisch, üppig, fast grenzenlos, getafelt wird, was der Gott des Fleisches zu zelebrieren vermag. Auf originellste Weise, auch ungewöhnlich, speziell, immer absolut frisch und in aller bester Qualität. Dazu Hauswein aus der direkten Umgebung - natürlich ein Chianti - zum Niederknien - vor solch göttlichen Gaben.
