Josephin Cramer & Jarkko Peränen

Internationale Chianti-Komponisten

Eigentlich hätte aus Josephin Cramer, Tochter einer großen deutschen Brauerei-Familie, auch eine Bierbrauerin werden können. Der einfache, nahe liegende Weg. Doch sie will mehr. Anderes. Verfolgt ihren Traum, wird Winzerin und setzt sich in der hart umkämpften Welt der meist männlichen Weinmacher durch.


Josephin Cramers Weg führt sie zunächst nach England. Sie studiert Betriebswirtschaft, Marketing, schreibt eine Dissertation über das damals noch neue Thema „Weinmarketing im Internet“ und arbeitet zwischendurch immer wieder in Weingütern im Burgund, im Bordeaux, in Baden. Und macht dort alles. Die Arbeit im Weinberg, im Keller, im Marketing.

 

2002 ein Anruf - der Zufall. Candialle in Panzano, im südlichsten Ende des Conca d‘Oro Tals, eine der renommiertesten Lagen des Chianti Classico Anbaugebietes, ist zu kaufen. Sie ergreift die Chance ihres Lebens und arbeitet zunächst allein am Erfolg. Weiß sich durchzusetzen, bis sie in der Toskana den Finnen Jarkko Peränen kennen und lieben lernt.

 

Gemeinsam erschaffen sie das Candialle von heute. Komponieren einen Spitzenchianti, weltbekannt und hochgeschätzt. Einen Chianti, der in der Jugend etwas rau ist, dann immer besser altert und immer tiefgründiger und wärmer wird. Pli, die Falte, ist der Spitzenwein, ein Cru, IGT, aus 95 Prozent Sangiovese und fünf Prozent Petit Verdot. Während Candialle und Ciclope jeweils 18 Monate in Barriques reifen, dürfen es für Pli 24 Monate sein.

Heute gehören rund 35 Hektar zu Candialle, davon sind knapp zehn Hektar Rebberge. Wie es das Terroir befiehlt, dominiert im Anbau die lagentypische, spät reifende Sorte Sangiovese. Davon sind 7,5 Hektar angebaut, 1,5 Hektar mit Merlot, 0,4 Hektar mit Petit Verdot, 0,2 Hektar mit Cabernet Sauvignon und 0,1 mit Syrah. Bearbeitet werden die Weinberge in einer möglichst naturnahen, ökologischen Anbaumethode. In einem ganzheitlichen Ansatz wird der Weinberg als „Agroökosystem“ gesehen. Das erfordert mehr Aufmerksamkeit und Arbeit. Aber die Mühe lohnt sich. „Es geht uns nicht nur darum, einen für Candialle typischen, dem Terroir wirklich verhafteten Wein zu schaffen“, sagt Josephin Cramer. „Wir wollen auch, dass hier so nachhaltig gewirtschaftet wird, dass wir unseren Kindern eine ökologisch saubere Welt hinterlassen können.“